And Since I Made It Here, I Can Make It Anywhere

Montag, 16.06.2014

Ich lebte ein Jahr in Zhengzhou. Blicke ich bewusst auf diese Tatsache, frage ich mich, wo die Zeit geblieben ist und was ich eigentlich getrieben habe, während elf Monate in diesem Wahnsinnsland vergangen sind. Ok, die Zeit ist auf dem Rest der Welt nicht stehen geblieben, aber ein kleiner Teil in mir fühlt sich wie Dornröschen, das nach einem Jahr aus seinem Schönheitsschlaf erwacht, wenn ich nun zu meinem deutschen Leben zurückkehre. Denn dort ist alles so geblieben, wie ich es damals verlassen habe. Natürlich weiß ich, dass ich hier kein Jahr geschlafen habe und die Zeit auch nicht einer äußerlichen Verschönerung diente, jedoch sind die unzähligen Erfahrungen, die im Rückblick ein sicheres Selbstwertgefühl erzeugen, im Alltag versteckt geblieben. All die kleinen und großen Probleme, mit denen ich alleine konfrontiert wurde, sind das woran mich mein Austauschjahr wachsen lässt. Ob es Gewohnheiten der Gastfamilie sind, die man sich nur schwer aneignen mag, wirkliche Kommunikationsprobleme bei wichtigen Planungen, tägliche Situationen vor denen man nur die Augen schließen kann um nicht die Fassung zu verlieren oder Erlebnisse, die einem andersweitig eine harte Zeit machen. In dieser Hinsicht kommt es nicht darauf an, welches Land man sich aussucht, überall begegnet man diesen Konflikten und immer hat es im Endeffekt einen positiven Effekt auf einen selber: Man wächst daran und fühlt sich für Probleme, die einem im zukünftigen Leben begegnen werden, gewappnet.

 

 

Als ich mich vor drei Jahren dafür entschied, ins Ausland zu gehen, hatte ich nicht einen einjährigen Urlaub vor Augen. Ich bin auch nicht los gezogen um mich selber zu finden oder einen anderen Ort auf dieser Welt mein neues Zuhause werden zu lassen. Meine Idee fing mit meinem Unwissen über China an und wurde durch Neugierde und Mut zur Chance ein vollkommen unbekanntes Land kennenzulernen, in Form eines Austauschjahres. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie es hier sein würde und informierte mich auch nicht. Ich wollte schlicht und einfach direkt, am eigenen Leib sozusagen, erfahren, wie es ist. "Wie ist China? - Voll.", so war mein erster Eindruck. Aber darüber schrieb ich bereits letzten Sommer, wie ist also mein Letzter? Ich hatte im zweiten Halbjahr viele schwere Momente, da es mir nicht leicht fällt, mich hier zuhause zu fühlen. Ich habe China kennen gelernt und viele Dinge entdeckt, die mich daran hindern, mich hier wohl zu fühlen. Ich habe kein Schamgefühl, zuzugeben, dass dieses Land nicht zu meinem zweiten Zuhause geworden ist, das war von Beginn nicht der Plan. Ich freue mich darauf, keine bellenden Rufe oder unerträglich quietschende Stimmen mehr auf den Straßen zu hören, ich bin es leid, mich von Menschen aufregen zu lassen, die bewusst ihre Umwelt vermüllen und Gestank produzieren und ich habe nichts dagegen, Kinder unter zehn Jahren nicht mehr beim Geschäft verrichten auf dem Bürgersteig sehen zu müssen. Doch ich werde im Gegenzug genau so sehr vermissen, wie unkompliziert manche Bürger mit der Einfachheit ihres Lebens umgehen und trotzdem zufrieden erscheinen, dass in der Schule keiner dem Wert meiner Kleidung Beachtung schenkt, dass ich mich nur für wenige Yuan in einen Zug zur nächsten Stadt setzen muss, um einen Tag, gefüllt mit neuen Erlebnissen zu erfahren. Doch am meisten, von dieser Stadt zu lernen. Zhengzhou steckt tief im Entwicklungsprozess, den Shanghai beispielsweise vor zehn Jahren erfahren hat. Für mich ist das spannend, denn um nennenswerte Veränderungen dieser Art in Deutschland erlebt zu haben, bin ich einige Generationen zu jung. Einzig an die Einführung des Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden kann ich mich erinnern und erkenne somit in den Rauchern hier am Nachbartisch ein Bild vom Deutschland von vor zehn Jahren.

 

 

Kleine Sachen, die mich der Alltag in Zhengzhou gelehrt hat, sind beispielsweise zwischen Fußgängern und Elektro-Rollern, ohne Klingel oder ähnliches, tägliche Slalom Manövers hinzulegen, mit Stäbchen labbriges Toast zu schmieren oder meine Geduld zu trainieren, wenn alle Mädchen in den Klo Kabinen plötzlich das dringende Verlangen haben, genau in der Hockhaltung über dem Stehklo jegliche sozialen Netzwerke in Ruhe durch zu scrollen. Es ist offensichtlich, dass ich in wenigen Tagen bei meiner Ankunft in Deutschland einen weiteren Kulturschock erleben werde. Und der lässt mich momentan noch millionen mal aufgeregter sein, als vor einem Jahr, als ich nicht wusste, was mich damals hier in China erwartete.

 

 

Zwischen all dem Gefühlschaos, meinem Leben hier den Rücken zu zukehren und auf all das Vertraute und doch so Entfernte in meiner Heimat zu treffen, spüre ich das Verlangen euch meinen Dank auszudrücken. Ihr, die meine Geschichten gelesen und Erlebnisse mit mir geteilt habt, und wenn es nur mal ein einziger Artikel war, habt mir das Gefühl gegeben, meine Erfahrungen dupliziert zu haben, indem ich sie an euch weitergab. Ich habe mein gewonnenes Wissen über die chinesische Kultur mit Freuden nicht für mich behalten und hoffe, ihr hattet Gefallen daran, Charakterzüge und Traditionen der chinesischen Gesellschaft kennenzulernen.

 

 

Am kommenden Mittwoch Morgen werde ich den Straßen Zhengzhous Lebewohl sagen, somit ist dies mein letzter Blogeintrag.

 

 

Liebste Grüße,

 

 

温 安 美

 

Wen Anmei

 

Emma

 

Abenteuer Essen

Dienstag, 27.05.2014

Heute ist mein 300. Tag in China, das heißt mir verbleiben noch 23 und ich habe dennoch keine Essenserfahrung mit euch geteilt. Dieses Thema gliedert sich für mich im chinesischen Leben in zwei Bereiche, auf der einen Seite das traditionelle Familien oder Freundes Essen im Restaurant und auf der anderen das sogenannte Street Food, die Mahlzeiten in der Gastfamilie einmal außen vorgelassen.

Bei erstgenanntem Anlass, geht es darum, den Gastgeber sein Wohlhaben gegenüber seinen Gästen ausdrücken zu lassen, beim Zweiten ums günstige Essen. Im Restaurant sitzt man an einem großen runden Tisch mit Drehplatte in der Mitte in einem privaten Raum, draußen nimmt man sein Essen entweder auf winzigen Stühlen an wadenhohen Tischen auf dem Bürgersteig oder im Gehen zu sich. Der mächtige Tisch wird stundenlang und pausenlos mit unzähligen Speisen bedeckt und im Gegenzug erleichtert, während auf dem Winzigen nach Laune alles drapiert und mit Freunden geteilt wird, wonach einem der Sinn steht. Im privaten Raum genießt man, je nach Region, Schweineohren oder Qualle, Lotus, Bohnenpasten, Krabben in Glasnudeln, Entenfüße, eingelegten Fisch, scharfes Erdnuss-Hühnchen, Schlange, glibbrigen Nachtisch und hunderte an, für mich wie für die Chinesen, undefinierbaren Dingen aus diversen Konsistenzen. Auf der Straße hingegen präsentieren die Verkäufer hinter den klapprigen Ständen, die meist nur aus Fahrrad und Anhänger bestehen, mit einem Gemüse-Glasnudeln-Tofu-Gemisch oder Fleisch gefüllte gedämpfte oder gekochte Teigtaschen, zahlreiche Nudelsorten, zum Braten mit Ei und Gemüse, frittierte Teigstangen und Wraps, wiederum mit Salat und Ei gefüllt, Fahrrad Reifen große Pfannkuchen mit Lauch und Zwiebeln oder aus gewürztem Blätterteig, allerlei Fleischsorten am Spieß überm Grill gebraten und grässlich riechendes Tofu. All das wird vor eigenen Augen zum Zeitpunkt zubereitet. Jedem Gast im Restaurant steht es, einmal eine Runde um den Tisch zu machen, auf jeden einzelnen anzustoßen und demjenigen eine Leier an Zukunftswünschen auszusprechen um seiner Position im dementsprechen sozialen Rang gerecht zu werden, was die Dauer des Essens demzufolge in die Länge zieht, von der nicht geringer werdenen Menge an Gerichten ganz zu schweigen. Zum Anstoßen stehen je nach Anzahl der Gäste ein bis zwei Flaschen purer Reisschnaps auf der Drehplatte, in diesem Aspekt besteht kein Unterschied zu dem wadenhohen Tischchen auf dem Bürgersteig, jedoch verweilt man hier gewöhnlich lediglich bis der erste Gang aufgegessen ist.

Der Rechnung entsprechend ist die Wahl des Ortes seiner Mahlzeit nicht nur vom Anlass abhängig, sondern auch vom eigenen finanziellen und, nahezu gleichrangig, sozialen Status, da der Betrag, mit dem der Abend schließt, so stark variiert, wie die Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land.

Ich präferiere gedämpfte Teigtaschen und Pfannkuchen dem orange-leuchtenden Glibberzeug und Fischköpfen.  

Bis ganz bald, 温安美 Wen Anmei

Schimpansen Auf Chinesischer Straße

Montag, 12.05.2014

 Den heutigen Cornier ah verbrachten wir gemeinsam mit Freunden in untypisch grüner Umgebung beim Sonnen. Es ist heiß geworden in der letzten Woche und dementsprechend großartig gelaunt fahren wir nun zu zweit auf dem Fahrrad durch die Abendsonne heim. Wir passieren eine Bäckerei, die wegen ihrem leckeren und günstigen Kaffee unter uns bekannt ist und wir beschließen, den Tag mit eben einem Solchen zu krönen.

Wir stellen unsere Fahrräder ab und Kyra betritt den Laden, während ich draußen warte und aufpasse. Wenige Meter entfernt hat sich eine Menschenmenge zu einem Kreis versammelt, um anscheinend ein Schauspiel in dessen Mitte zu verfolgen. Als ich näher komme erkenne ich die, aufgrund des Dialekts, unverständlichen Rufe jenes Mannes wieder, der mir schon heute morgen auf dem Weg zum Park an anderer Stelle aufgefallen war. Er hockt auf dem Bürgersteig und hält drei Schimpansen an Leinen angekettet, welche aufgerichtet etwa die Größe eines Kleinkindes erreichen. Ein aufgedrehter kleiner Hund wuselt um die überschaubare Gruppe herum und legt sich immer wieder aufs Neue mit einem der Affen an, nur um jedes Mal von dem Typen am Boden mit Rufen und Schlägen zurück getrieben zu werden.

Gerade steht der Schimpanse aggressiv und kampfbereit auf seinen Hinterfüßen, während der struppige Raudi bellend um sein Herrchen hüpft. Erst jetzt bemerke ich die Peitsche in der Hand des Mannes, die er nun mit einem klatschenden Knall wenige Centimeter neben den Füßen des Schimpansen auf die Erde schlagen lässt. Als ich mein Handy zücke um wieder einmal ein Musterbeispiel für den Umgang mit Tieren festzuhalten, werde ich grob gestoßen. Ein heruntergekommen aussehender Typ hält mir mit einem Grunzen die Geldscheine in seiner, durch Dreck ganz schwarzen Hand, entgegen und deutet darauf. Ich registriere ihn als Bettler und drehe mich stur wieder weg, als er mich zurückzieht und ausdrücklich verständlich macht, er möchte Geld haben, wenn ich mir diese öffentliche Schikanierung der Tiere ansehe. Ich sage, ich gebe ihm kein Geld. Der nächste meiner Blicke zum Geschehen hin gerichtet, trifft mit dem Schlag der Peitsche auf einen aufgebrachten Affen zusammen. Der Mann, am Boden sitzend, zieht nach Belieben an der Leine und lässt die Schnur auf das Fell sausen. Ich kann es nicht mit ansehen und drehe mich weg, gleichzeitig zieht der aufdringliche Typ mich zurück. Ich schüttel seine Hand ab, als just in dem Augenblick ein Mädchen, etwa meines Alters, vor mir auftaucht. Sie bringt ein "Hello" hervor und starrt mich noch 10 Sekunden nach meiner Erwiderung ihres Grußes reglos an. Ein fragender Blick von mir erzeugt zusammenhanglose englische Ausdrücke. Ich beobachte wie andere Schaulustige dem bettelnden Mann nach kurzem Wortwechsel Geld in die Hand drücken. All diesen Menschen wende ich nun endgültig den Rücken zu, auch wenn sich das Mädchen mit dem erstaunten Blick nicht mehr als wenige Meter von mir entfernt. Ich halte den Blick stur auf unsere Fahrräder gerichtet, doch höre das Lachen der Umstehenden wenige Meter hinter meinem Rücken und, wie Hund und Schimpanse sich ankeifen, während sie versuchen sich gegenseitig die Zähne ins Fleisch zu rammen. Ich schließe meine Augen und halte mir die Ohren zu.

Für einen kurzen Augenblick fühle ich mich rausgerissen, aus der guten Laune, mit der mich dieser sonnige, entspannte Tag erfüllt hatte, dann betrete ich die Bäckerei. Ich will grade meiner Freundin gegenüber meiner Stimmung Ausdruck verleihen, als sich das Mädchen von eben an mir vorbei drängelt und in meinen Weg stellt. Jetzt fragt sie auf chinesisch, ob ich sie so verstehe, immer noch mit einem leicht verschreckten Blick in den Augen. Ich bejahe und bekomme einen Satz zu hören, den ich vermutlich lange aus meiner Zeit in China in Erinnerung behalten werde. "Es sind nicht alle Chinesen gleich.", sagt sie, als wäre es auf einmal von Bedeutung was für Eindrücke mir dieses Land vermittelt. "Ich weiß.", antworte ich und blicke in ihre weit aufgerissenen Augen. Ein Lächeln zum Abschied schenke ich ihr, denn da kommt Kyra mit dem Kaffee. Einen weiteren Blick kann ich dem Schauspiel vor dem Eingang nicht zu werfen und schwinge mich mit gemischten Gefühlen über diese Begegnung aufs Rad. 

Verlobung Zweier Familien

Dienstag, 29.04.2014

Heiraten ist in China ein viel besprochenes Thema. Wie meine Freundin aus Lanzhou schön formulierte, besteht eine Ehe hier nicht zwischen zwei Personen sondern deren Familien. Dadurch waren mir, aufgrund meiner auf Selbstständigkeit und Eigendenken basierten Erziehung, einige Rituale des heutigen Tages ein Dorn im Auge. Es begann schon Tage vor der eigentlichen Verlobung, da dasselbe Geburtsjahr und dementsprechend das gleiche chinesische Sternzeichen dem Großvater des, ohnehin nur noch grenzwertig im heiratsfähigen Alter befindenen, Mädchens Grund genug gaben, ein Familien Treffen einzurufen. Einen triftigen Grund um meine Verständnislosigkeit darüber aus der Welt zu schaffen konnte meine Freundin mir nicht nennen, sie schob das Alter des Familienoberhaupts und, für sie ebenfalls nicht nachvollziehbare, traditionelle Gedankengänge vor. Wer mit 25 Jahren als Chinese noch nicht verlobt ist wird als heikel gehandelt und von Angehörigen gerügt, bis er sich gefälligst auf die Suche macht. Mit 30 wird die Hoffnung allgemein aufgegeben, wozu es jedoch äußerst selten kommt, da die Chinesen im Rumkommandieren Anderer sehr hartnäckig sind. Es geht schließlich um das Wohl und Ansehen von Familienmitgliedern. Die Cousine meiner Freundin ist schon 28 Jahre alt und, aus chinesischen Augen betrachtet, gefährlich nah, als alte Jungfer zu gelten. Sobald die älteste Generation, nach eintägiger Debatte über die Existenz von schwerwiegenden Folgen einer Ehe zwischen denselben chinesischen Tierkreis Zeichen, ihr OK gegeben hat, wird demzufolge keine Zeit verloren. Drei Tage später erfahren wir am Vorabend von der angesetzten Verlobung.

Diese findet in dem für chinesische Verhältnisse großem Haus der Großeltern statt, welches jedoch nicht gleich Gemütlichkeit und Raum für jeden mit sich bringt und an dem Tag von vier Familien gefüllt wird. Nach geraumer Zeit des Rumsitzens und Suppe (nein, kein Tee) Trinkens, fährt der junge Mann vor, der heute den Part des männlichen Hauptdarstellers übernimmt. Er lädt einen riesigen Berg Geschenke aus seinem Auto und plaziert ihn auf einem Tisch in der Mitte des Wohnraums. Alle versammeln sich nun dort um die nächste halbe Stunde mit einer aufgebrachten Diskussion über die Sitzordnung zu verbringen. Es ergibt sich schließlich, dass die älteren Herrschaften auf den Sofas und Sesseln verteilt sitzen, mit Blick zum Gabentisch. Der Rest der Versammlung stellt sich um und hinter sie.

Einer der alten Männer, der sich als der Großonkel der zukünftigen Braut herrausstellt, macht sich an dem Berg von Mitbringseln in Tüten verpackt zu schaffen. Von meiner Freundin erfahre ich, dass früher bei einem solchen Fest vier traditionell bestimmte Gaben vorhanden sein mussten. Es handelt sich um Tee, Wein, Zucker und Zigaretten. Bis zur Gegenwart hat sich das Spektrum der erforderlichen Gaben, um als ehrenwerter zukünftiger Schwiegersohn zu erscheinen, erweitert und unter den heutigen Geschenken befinden sich größtenteils Schmuck, Wein, Zigaretten, Geld und das Fleisch eines bereits geschlachteten Schweins. Ich ergänze, dass sich unter chinesischem Wein purer Reisschnaps versteht und es zu diesem Missverständnis aufgrund der wörtlichen Übersetzung kommt, die da lautet: '白酒 bai jiu' = weißer Alkohol, englische Übersetzung = white wine. Dieser spielt sogleich eine große Rolle, nachdem einer der kleinen Cousins unter großem Tohuwabohu und Beteiligung aller Anwesenden dem Mann des Tages immer mehr Geld aus der Tasche zog, bis besagte Scheine, die unter den beiden Schnapsflaschen drapiert sind, sich zur gleichen Höhe häufen und die Flaschen gleich hoch erscheinen. In den roten Paketen in der Mitte ist der Alkohol verpackt

Den Sinn dieses Akts kann ich nicht ganz nachvollziehen, er bestand möglicherweise einzig allein darin, den jungen Herrn sein Bares präsentieren zu lassen. Die Flaschen werden geöffnet und das Paar schreitet mit Tablett und zwei Schnapsgläsern bewaffnet von einem der Alten zum Nächsten um durch deren Leerung der Kurzen, einen für jeden der Beiden, das Einverständnis zur eigenen Heirat zu empfangen.

Die Kinder erhalten jeweils zwei Milchbonbons, durch deren Verzehr man sich einträchtig gibt.

Nachdem das Ritual mit dem Alkohol vollzogen ist, auch die Gruppe von Männer, die sich rauchend hinter den Sofas stehend amüsiert, kam nicht zu kurz, werden weitere Geschenke übergeben. Kleidung, Decken und Schuhe, noch in Original Tüten der Geschäfte steckend, werden quer durch den Raum gereicht und es gestaltet sich ein Bild, beim wem es offenbar ernsthaft Eindruck zu schinden gilt. Diesmal wurde auch der künftige Bräutigam bedacht und er erhält eine Lederjacke und ein Paar Schuhe von seinen Schwiegereltern. Während der Bescherungszeremonie waren bereits die meisten Erwachsenen in der Küche verschwunden, um das Essen vorzubereiten, zu dem jetzt gerufen wird. Der Großonkel freut sich über den Familienzuwachs

Eine Großeltern Generation, die die Zukunft zwei Verliebter aufgrund deren Geburtsjahres gänzlich in Erwägung zieht, ist wohl eins der versteckten Merkmale der chinesischen Kultur, wie ich ihr im Alltag begegne.

Liebe Grüße ins geliebte Deutschland! Emma

Auf Der Mauer, Auf Der Lauer

Samstag, 19.04.2014

Mit Kyra ;-)

 In der Verbotenen Stadt und am Platz Des Himmlischen Friedens:

 

  Gemeinsam mit Kyras kleiner Schwester, deren Familie nach China zum Besuch nach China kam

Zhengzhou Mal Anders

Montag, 07.04.2014

"Kyra und Emma auf abenteuerlicher Suche nach einer viel versprechenden Grünanlage mit großflächigem See dabei": strahlend grauer Himmel ♥

Die Karte: "Sie haben ihr Ziel erreicht." Blau und Grün zwischen all dem Grau der Hochhäuser!

Schade, dass hatten wir ein wenig anders erwartet. Die Bauarbeiten deuten jedenfalls darauf hin, dass in etwa zwei Jahren die Besucher nicht mehr so überrascht und enttäuscht sein werden und sich ein paar Bäume mehr dazu gesellen.

☆ da unten links

 Wenige Plätze wurden bereits bepflanzt, ob mit Samen und Wurzeln oder durch bereits mächtig hohe Bäume, im Nachhinein macht es keinen Unterschied, Menschenhand war in jedem Fall am Werk.

Dieser Weg

Bis zum nächsten Mal!

Emma

Definitiv Buddhistisch Ins Neue Jahr Gefeiert! ☆2

Freitag, 21.03.2014

Zu sechst in ein Auto gequetscht sind wir nach einer halben Stunde Fahren endlich an einem Gelände angelangt und die Lichter, die in der Dunkelheit ihren Weg durch den Smog kämpfen, machen die Umrisse tempelartiger Gebäude und einer großen Statue sichtbar. Unsere Gruppe wird von Mönchen begrüßt und in eins der Gebäude geführt, in dem wir an einem großen Drehtisch Platz nehmen. Darauf sind Erdnüsse und Mandarinen drapiert um uns die nächste dreiviertel Stunde Warten schmackhaft zu machen. Ein Teil unserer heutigen Begleitung war schon nach dem Essen von der Bildfläche verschwunden und taucht jetzt in Gestalt von uniformierten Polizisten wieder auf. Die Uniform wurde jedoch einzig allein zur Ehrung des Festtags angelegt und nicht im dienstlichen Sinne. Als wenige Augenblicke später ein wichtig auftretender dicker Mönch, mit Fotograf im Schlepptau, den Raum betritt, verspüre ich die Vorahnung auf einen Einblick in die Shanghaier High Society, für das die rote Scherpe, die jeder von uns beim Ankommen umgehängt bekommen hat, als weiteres Indiz gilt. Folgendes geschieht: Es verbleiben fünf Minuten bis Mitternacht und unsere Truppe setzt sich in Bewegung, vorbei an einem bemerkenswert großen Tempel, von dem aus kürbisgroße rote Lampinions uns den Weg leuchten, zu einer gigantische Glocke auf einem Platz. Schon von weitem nehme ich die schätzungsweise 200 Meter lange Menschenschlange wahr, die sich, vom Podest mit dem baumstammartigen Schlägel an, einmal kreisförmig über den Platz aufreiht. Anstatt sich artig zu den Letzten der Wartenden zu gesellen und vermutlich eine weitere Stunde auf seinen persönlichen Schlag ins neue Jahr zu warten, drängen wir uns zwischen den Leuten hindurch und überqueren den Platz bis wir schließlich auf der unbemannten Seite des geschmückten Heiligtums stehen. Um Punkt 12 Uhr fühlt sich der anwesende Polizei Chef dazu veranlasst, seine gute Beziehung zum Ober Mönch uns, seinen Gästen, gegenüber auszudrücken. Er gibt dem Mönchen, auf dem Podest stehend, ein Handzeichen, der uns postum dem nächsten freudig Wartenden vorzieht und passieren lässt. Uns wird das Glück zuteil, in der ersten Minute des neuen Jahres mit dem Schlag der Glocke die allerersten, und somit natürlich besten, Wünsche ab zu bekommen. Mein Gastvater

Anschließend trennen sich die Männer wieder von uns und meine Gastmutter führt mich vor den Eingang des Tempels, den wir hinter uns gelassen hatten. An einem kleinen Stand kaufen wir bunt verzierte Räucherstäbchen im Maxi-Format und zünden sie an Feuerstellen an. Ich mache es den umstehenden Chinesen nach und verbeuge mich dreimal in jede Himmelsrichtung, die Stäbe dabei vor mein Haupt haltend. Anschließend stecke ich diese zu anderen in Behälter, die mit Sand gefüllt sind. Bevor wir den Tempel betreten ist es offensichtlich angebracht erneut drei Verbeugungen anzudeuten oder aber die Sitzkissen dafür zu nutzen. Anschließend drückt uns drinnen ein Mönch wiederum Räucherstäbchen in die Hand, diesmal in der in Deutschland bekannten Größe. Diese in der Hand haltend, schreiten wir bedächtig durch den großen, hohen Raum, in dessen Mitte sich eine ungefähr vier Meter hohe tausendhändige Göttinnen Statue befindet und umrahmt wird von etwa 24 menschengroßen Statuen von allen vier Seiten. Jede einzelne symbolisiert eine Eigenschaft und die Menschen preisen diejenigen eindringlich, von denen sie sich im gekommenden Jahr viel Stärke erhoffen.

Als wir den mit Wünschen überhäuften Tempel wieder verlassen, wartet die Besichtigung eines Turm als Abschluss der Nacht auf uns. Wir erklimmen sieben Stockwerke und auf jedem einzelnen wartet eine weitere Statue um von uns geehrt zu werden. Es ist eng, auf den rund um den Turm laufenden Treppen, doch das hindert niemanden daran den wichtigen Ritualen an diesem Tag nachzugehen. Und wenn man dafür Nackenschmerzen vom vielen Verbeugen eingehen muss. Nach gefühlt meterhohen 140 Treppenstufen, die definitiv nicht den von "Wissen Macht Ah!" empfohlenen Mindestabstand von zwei Stufen insgesamt 100cm messen, 21 Verbeugungen und etlichen Hustenanfällen, bin ich zu der Einsicht gekommen, dass wenn nicht grade der Smog draußen im Stande ist auch die Luft in Gebäuden zu verpesten, kriegen die Chinesen das mit Räucherstäbchen oder Zigrattenqualm auch ganz gut hin. Mein eigentliches Resultat aus diesem Festtag besteht jedoch hauptsächlich aus Verwirrung. Wenn so viele Bürger, auch aus Großstädten wie Shanghai, buddhistisch ins neue Jahr feiern, wieso zählt der Lahme Dalai dann zu Chinas Staatsfeinden?

Ziemlich genau drei Monate verbleiben noch, bis ich Themen in diese Richtung mit weiteren Erfahrungen persönlich vertiefen werde.

Alles Liebe, eure Em

 

Definitiv Buddhistisch Ins Neue Jahr Gefeiert!

Donnerstag, 13.03.2014

30. Januar 2014 - Am Montag flog ich von Harbin nach Shanghai um einige Tage gemeinsam mit meiner ehemaligen Gastfamilie zu verbringen. Von der Einzigartigkeit der derzeitigen Ferien alamiert, hatten wir unsere Reisen bereits vor vier Wochen organisiert, im chinesischen Sinne also schon außergewöhnlich früh. Wir besuchten das weltweit größte Eisfestival in Nordchinas wunderschöner Stadt Harbin, von dem ich euch zukünftig mit Bildern versorgen werde. Anschließend stand für mich der Trip nach Shanghai an, der planmäßig von gemeinsamen Urlaub mit meiner ersten chinesischen Familie und dem Besuch meiner einheimischen Freundin in Lanzhou gefolgt werden soll.

Am Donnerstag stand mit dem Lunar Neujahr das größte traditionelle Fest der chinesischen Kultur an, auf das wir schon durch viele Erzählungen aufmerksam geworden sind. Unsere Freude und Aufgeregtheit vor den Weihnachtstagen beispielsweise wurden mit Vergleichen zum chinesischen Frühlingsfest kommentiert. Geschenke an diesem Feiertag existieren jedoch simpel in der Form von Geld in roten Umschlägen verpackt, welche von der älteren Generation an die junge überreicht werden. Dies deutet auf die klaren Unterschiede zwischen den 老人 Laoren und 小人 Xiaoren an, den alten Weisen und den Jungen, welche Letzteren im Alltag stets den Erstgenannten, der Kultur und alten Sitten wegen, mit genügend Respekt gegenüber stehen. Gedanklich verbindet sich dies für mich wiederum mit den häufig genutzten Bezeichnungen anstelle von Namen. Spitznamen werden nämlich mit der Verniedlichungsform "小 xiao", was klein bedeutet, gebildet und der jüngere Sohn der befreundeten Familie zum Beispiel mit "弟弟 Didi", jüngerer Bruder, anstelle seines Namens, angesprochen. Fremde ältere Frauen werden "奶奶 Nainai", Großmama, genannt und der Freund des Vaters ist "叔叔 Shushu", der Onkel. Hiermit sind nur wenige Betitelungen aus dem chinesischen Sprachgebrauch genannt, denn ich lenke lieber zum eigentlichen Thema dieses Berichts zurück. Wiedersehen nach fünf Monaten :-)

Zu meiner Überraschung verlief der letzte Tag des Jahres 2013 des Lunisolarkalenders bis zum späten Nachmittag wie gewohnt, meine Gasteltern waren arbeiten und ich habe den Vormittag mit meinem kleinen Bruder und Freunden in einer Mall verbracht. Für den frühen Abend sind wir zum Essen verabredet. 妈妈 Mama, 爸爸 Baba und 弟弟 Didi laufen schon zum Auto, während ich mir die Schuhe binde und mich frage, wo 奶奶 Nainai diesen besonderen Abend verbringen wird. Doch da ruft 妈妈 Mama schon wo ich denn bleibe und ich höre das Auto starten. In Zhengzhou sind wir bereits öfters gehetzt zum Treffpunkt erschienen, um dort mit den vollständig vorhandenen Chinesen weitere Momente des Wartens genießen zu dürfen. In Shanghai bin ich bereits die Letzte, wenn ich um Punkt Halb meine Schnürsenkel knote. In dem privaten Raum des Restaurants, das zurselben Zeit als Hotel und somit als Unterkunft unserer heutigen Verabredung dient, warten bereits zwei befreundete Paare meiner Gasteltern. Ich bevorzuge es, mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem spannenden, und somit für mich heiklen, Thema "Essen in China" in ausführender Weise befassen, da ich mir die in einigen Fällen bemerkenswerten Geschichten für ein andernmal zum Illustrieren aufhebe. Nach dem wir das Speisen beendet haben, welches durch diskretes Übergeben von roten Umschlägen unterbrochen wurde, wollen wir, für die Chinesen wie selbstverständlich, zur Massage gehen, doch in den Räumen befindet sich aufgrund des Feiertags kein Personal mehr. Die Leute nehmen sich so lange frei wie sie können, um diese Tage gemeinsam mit ihrer Familie verbringen zu können. Durch ein bisschen Recherche erfahre ich, dass anlässlich dieses Festes die größte alljährliche Volkswanderung stattfindet, wenn Asiaten aus aller Welt in ihre Heimatstädte zurückkehren und das Wiedersehen mit ihren Verwandten die chinesischen Bahn Gesellschaften auf eine Probe stellt. Anstatt zur Massage, begeben wir uns in das Hotelzimmer unserer Freunde um dort die nächsten Stunden bis Mitternacht zu verbringen. Als der Fernseher und das alljährliche Neujahrs Unterhaltungsprogramm eingeschaltet wird, greife ich zu meinem Handy und erfahre, dass es bei meinen Freunden in Zhengzhou grade genauso aussieht: Die Familie sitzt gesammelt vor einem mit Süßigkeiten, Obst und Hülsenfrüchten behäuften Couchtisch, genießt Sketche, Musik Paraden und Bauchredner als Geräuschkulisse, während jeder mit sich alleine und seinem Smartphone beschäftigt ist. Somit fällt es nicht sonderlich auf, dass ich die nächsten drei Stunden rumkriege, indem ich mich über Internet Chats mit meinen Kameraden über die Show auslasse. Etwa gegen 23 Uhr brechen wir auf um die wichtigen ersten Momente des neuen Jahr des Pferdes zu ehren. Jixiang, Glück verheißend und Ruiyi, Zufriedenheit

Um eine weitere lange Pause des Nichtaktualisierens meines Blogs zu umgehen, habe ich die Geschichte zum chinesischen Frühlingsfest aufgeteilt und werde sie nächste Woche fortsetzen.

Ich wünsche euch einen schönen Frühlingsanfang!

Eure Em Cool

Byebye, Chinesischer Winter, Ni Hao, Frühling! 再见,中国的冬天,你好,春天!

Mittwoch, 12.03.2014

St. Sophia Kirche in Harbin

Den chinesischen Winter erlebten wir teils mit -26 Grad in der nördlichen Stadt Harbin, die gerne mal sibirische Lüfte empfängt. Freut euch auf weitere Fotos!

Kostbarkeit 6 in Bildern

Samstag, 22.02.2014

Im Januar begannen meine langen Ferien und somit der einzige Zeitraum in dem ich ausgiebig Reisen kann, was ich genussvoll ausnutzte. Pünktlich zur Hochlaune, Zhengzhou nach fünf Monaten endlich einmal den Rücken zugekehrt zu haben, gab mein Adapter für das Tablet den Geist auf und nahm mir voerst jegliche Chance meine wunderbaren Urlaubsfotos von der Kamera zu bewegen und mit euch zu teilen. Demzufolge greife ich auf Bilder von einem abwechslungsreichen Ausflug in Zhengzhous Umgebung vom Anfang letzten Monats zurück.

Es ist der Teil meines Austauschjahres gekommen, in der ich Situationen und Erlebnissen nicht mehr mit der Neugierde und Offenheit begegne, wie ich es in der ersten Zeit tat. Vier Monate verbleiben noch und die Vorfreude auf ein, sowohl auf den Straßen als auch bei Planung, aufgeräumtes Deutschland steigt. Ich erwische mich immer öfter dabei, wie ich von unfreudigen Begegnungen hier den Blick wende und mich nach Hause wünsche. So sollte man die letzten Monate in einem anderen Land nicht erleben, jedoch fühlt es sich manchmal so an, als hätte man genug erlebt und könnte 'ne Pause vertragen. Was wiederum zur sinkenden Quantität von Berichten auf dieser Seite führt. Ich werde mir Mühe geben, euch bis Sommer mit ein paar Geschichten zu versorgen, schließlich konnte ich noch nicht annähernd mein Gesamtbild von diesem sowohl menschen- als auch facettenreichen Land bis zum Rand mit Erzählungen ausmalen.

☆ Yellow River Scenic Area

Kyra, Corny und ich (von rechts) ★

温安美 Wen Anmei

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